Kunst und Massenmedien ergänzen sich immer wieder lustvoll und stehen in einem fruchtbaren Dialog. Nicht nur die Werke zahlreicher zeitgenössischer Künstler sind von der Medienästhetik geprägt. Auch Mode, Design, Architektur, Werbung und Film interagieren mit künstlerischen Positionen oder lassen sich von ihnen inspirieren. Mit der "kunst pause" tritt das Schweizer Radio und Fernsehen in diesen Dialog ein. Es bietet Schweizer Künstlern eine prominente Plattform, um mit 15 sekündigen Clips ein breites Publikum zu erreichen. Als Unternehmen des Service Public bekennen wir uns nicht nur zum vielfältigen Kunstschaffen in der Schweiz, sondern wollen es auch mit den Möglichkeiten des Massenmediums TV unterstützen.

Credits
01
Olaf Breuning
Der Videokünstler und Fotograf Olaf Breuning (1970) ist ein Shootingstar der jüngeren Schweizer Kunstszene. mehr... weniger

Mit Ausstellungen im Whitney Museum of Art (New York), am Magasin (Grenoble), in der Chisenhale Gallery (London) und mit Beteiligungen an wichtigen Gruppenprojekten (Manchester Biennale, Blickle Foundation, MoMA New York, CAPC Bordeaux, etc.) hat Breunings Werk eine grosse internationale Wahrnehmung erfahren.

Im Vordergrund seines Schaffens steht die "condition humaine" des aktuellen Zeitgeistes: Rollenspiele, Reality TV, Selbstinszenierung und Starkult bilden den Echoraum vor dem Breuning seine skurrilen Fotosets und Installationen aufbaut oder worin der seine Filme dreht.

Olaf Breuning lebt und arbeitet in New York.

Ausstellungen/Sammlungen (Auswahl):
  • Mori Museum, Tokio
  • Le Magasin, Grenoble (F)
  • Migros Museum, Zürich
  • Whitney Museum, New York
  • CAPC, Bordeaux (F)
  • MoMA, New York
  • Centre Pompidou (F)
  • Hammer Museum, Los Angeles
  • Walker Art Center, Minneapolis
  • Kunsthaus, Zürich

Für SRF kunstpause unternahm Breuning quasi-journalistische Exkursionen zu bekannten Schauplätzen in den USA und liess dort seinen "Starreporter" Brian Kerstetter – Hauptdarsteller vieler anderer Breuning-Filme – eine Recherche zum "Schweizerischen" realisieren, so dass ein irrwitziges Spiel mit helvetischen Stereotypen entstand, die einen Aussenblick auf nationale Symbole, Metaphern und Bilder zulassen.

Christoph Doswald

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Bulls Balls, 2011
Mountains, 2011
No Humor, 2011
No Smoking, 2011
Red Cube, 2011
Swiss Cow, 2011
Taxi, 2011
02
Daniele Buetti
Der gebürtige Freiburger Künstler (1955) arbeitet vornehmlich mit massenmedialen Vorbildern, die er in seinen Fotografien und auch in seinen Videos manipuliert, um die Hintergründe der visuellen Verführung der kommerziellen Konsumkultur offen zu legen. mehr... weniger

Im Fokus seines Mediendiskurses steht die Lifestyleindustrie, bzw. die damit verbundene Werbung. So nimmt er ihnen ihre perfektionierte Schönheit und entlastet sie quasi von ihrer gesellschaftlichen Vorbildfunktion.

Daniele Buetti lebt und arbeitet in Zürich und in Münster (D), wo er an der Kunstakademie eine Professur innehat.

Ausstellungen/Sammlungen (Auswahl):
  • Kunsthaus, Zürich
  • Kunstmuseum, Bern
  • FRAC PACA, Marseille (F)
  • Migros Museum für Gegenwartskunst, Zürich
  • MUSAC Leon (E)
  • Musée de l´Elysée, Lausanne
  • Maison Europeenne de la Photographie, Paris
  • Museo Nacional Centro Arte Reina Sofia, Madrid
  • Kunsthaus, Bregenz (A)
  • Villa Merkel, Esslingen (D)

Für SRF kunstpause produzierte Buetti ein Remake seines bekannten Videos "Looking for Love", das eine Jugendliche zeigt, die auf ihre Hand mit Kugelschreiber die Namen bekannter Modemarken gekritzelt hat und nun selbstversunken diese Lifestyle-Ikonen küsst.

Christoph Doswald

o.T., 2011
o.T., 2011
o.T., 2011
o.T., 2011
o.T., 2011
o.T., 2011
o.T., 2011
o.T., 2011
o.T., 2011
o.T., 2011
o.T., 2011
o.T., 2011
o.T., 2011
03
Stefan Burger
Stefan Burger (1977 in Müllheim) hat an der Zürcher Hochschule für Gestaltung und Kunst Fotografie studiert. Seit Beginn seines Schaffens betrachtet er das Medium Fotografie als "Basislager", von dem aus er in andere künstlerische Bereiche ausgreift. mehr... weniger

So hat er in bedeutenden Schweizer Kunstinstitutionen Skulpturen, Installationen, Objekte, Wandarbeiten, Videos und 16-mm-Filme präsentiert. Eine umfangreiche Schau seiner Arbeiten fand 2010 im Fotomuseum Winterthur statt. In seinem Werk stellt Stefan Burger die Frage nach den Bedingungen künstlerischer Produktion, nach den Mechanismen der Bildmanipulation und der verführerischen Rolle der Medien.

Für das Schweizer Fernsehen hat Stefan Burger den Kurzfilm "Inform" realisiert. Dieser Beitrag kann als Parodie auf das Versprechen der Werbung, auf Schönheitskulte und Produktästhetik verstanden werden. Am Anfang des Films nimmt eine junge Frau ein Augenbad. Offensichtlich versucht sie eine Überreizung zu kurieren, die durch übermässigen Medienkonsum entstanden ist. Mit hintergründigem Witz auf die suggestive Bildsprache und –technik der Werbung anspielend wird in einem nächsten Schnitt das Haarprodukt "Inform" präsentiert.

Glanzvoll und viel versprechend thront das begehrliche Produkt in einer Vitrine. Durch das Einmassieren des Haarschaums in die Kopfhaut der jungen Frau soll "Inform" auf magische Weise die schmerzfreie Verarbeitung der Reize bewirken. Einmal kuriert, so lautet das unterschwellige Versprechen, können problemlos neue Informationen konsumiert werden. In seiner Doppeldeutigkeit führt uns der "Inform-Haarschaum" auf das Schönste hinters Licht. Eben nur Schaum legt das gepriesene Produkt den Blick auf die verführerische und gleichzeitig manipulative Kraft der Bilder frei. Aber auch der "Ausverkauf des Unterbewusstseins" durch die Werbung, der grassierende Markenfanatismus und die Sucht, durch permanenten Konsum Lebens- und Selbstwertgefühl zu steigern, schimmert durch den begehrten Schaum durch.

Birgid Uccia

Inform, 2011
04
Silvie Defraoui
Silvie Defraoui (1935) lebt und arbeitet in Vufflens-le-Château. Sie gilt als "Grande Dame" der Schweizer Video- und Fotokunst. Durch ihre über zwanzig jährige Lehrtätigkeit an der Ecole Supérieure d'Art Visuel in Genf übte sie einen entscheidenden Einfluss auf zahlreiche jüngere Kunstschaffende aus. mehr... weniger

Im Mittelpunkt ihres Werks stehen das Rezipieren, Interpretieren und Archivieren von Bildern. Ein weiterer zentraler Fokus stellt der Wahrheitsgehalt medialer Bilderströme und ihre Wirkungsmacht dar.

Im Rahmen von Licht- und Rauminszenierungen erprobt Silvie Defraoui seit den siebziger Jahren unkonventionelle Präsentationsformen von Bildern. Videos und Fotografien werden auf alltägliches Mobiliar projiziert. Bild- und Textkombinationen werden in Beziehung zum physischen Raum gesetzt. Dabei stellt die Künstlerin die eindimensionale Lektüre von Bildern, mit denen wir von der Medien- und Informationsgesellschaft gespeist werden, in Frage und eröffnet neue Deutungsmöglichkeiten.

In den beiden für das Schweizer Fernsehen entstandenen Kurzfilmen "Frühstückstisch" und "Arbeitstisch" schöpft Silvie Defraoui aus dem medialen Bilderfundus. Ein Frühstückstisch und ein Arbeitstisch werden in Flächen umfunktioniert, auf die das gefundene Material (u.a. Bilder einer chinesischen Protestbewegung, eines sibirischen Bahnhofes) projiziert wird. Die hohen, sich mit Milch füllenden Trinkgläser fungieren ebenfalls als Bildträger. Die Milch verwandelt die Durchsichtigkeit des Glases in eine opake Oberfläche, auf der im Rhythmus des Auffüllens das gefundene Material abgebildet wird.

Im Kurzfilm "Frühstückstisch" bricht die Anonymität des medial aufbereiteten Tagesgeschehens in den geschützten privaten Raum ein. Indem jedoch mit Hilfe von Röhrchen Luft in die Milch geblasen wird, lösen sich die Bilder sogleich wieder in Schaum auf. Wie sich diese Bilder im kollektiven oder individuellen Gedächtnis festsetzen, oder ob sie aufgrund ihrer Redundanz dem Vergessen anheim fallen, lässt Silvie Defraoui als medienkritische Fragen im Raum stehen.

Birgid Uccia

Arbeitstisch, 2011
Fruehstueckstisch, 2011
05
Zilla Leutenegger
Zilla Leutenegger (1968) gehört zu den bekanntesten Schweizer Videokünstlerinnen. Emblematisch für ihr Werk ist die Videozeichnung, eine Darstellungsform, in der die Zeichnung durch Videotechnik animiert wird. mehr... weniger

Mit wenigen prägnanten Strichen hält sie alltägliche, auf ein Minimum reduzierte Situationen fest. In ihren Filmen tritt sie als Ich-Figur und Protagonistin in unspezifischer Gestalt auf und bietet dem Betrachter so die Möglichkeit der Identifikation.

Für das Schweizer Fernsehen hat Zilla Leutenegger eine dreiteilige Serie geschaffen, in der die Montage von Zeichnung und Video erneut im Mittelpunkt steht. Im ersten Film "Low Battery Day" sitzt sie als gezeichnete Figur an einem Tisch. Sie beobachtet einen Kreisel, der sich auf die Bildscheibe zu bewegt und dort Kratzspuren hinterlässt. Durch die Berührung des Kreisels mit der Scheibe verliert er an Geschwindigkeit. Es entsteht eine Entschleunigung, die sowohl zum Abbruch seiner Bewegung als auch der filmischen Handlung führt.

Die Trennung von virtuellem Raum (TV) und realem Raum (der Zuschauer vor dem Bildschirm) wird auch im zweiten Film "I Love You" thematisch. Die Künstlerin schreibt mit ihrem Finger eine Liebesbotschaft auf den angelaufenen Bildschirm. Für 15 Sekunden stellt sie so eine persönliche und emotional aufgeladene Beziehung mit dem Zuschauer als Empfänger der Botschaft her.

Im dritten Film "To Spring Up Like Mushrooms" wird die Videozeichnung um ein Element erweitert. Die Künstlerin zitiert den Film "Lost in Translation" und steht alias Scarlett Johansson am Fenster eines Tokioter Hotels. Abwartend blickt sie in eine künstliche Welt von Riesenpilzen (durch Rendern entstanden), auf die rhythmisch perlartiger Regen (reales Filmmaterial) fällt. Die Pilze stehen für ein geheimnisvoll entrücktes Wonderland, erinnern aber gleichzeitig an das rasante und zerstörerische Wachstum, wie es in Realzeit auf unserem Planeten stattfindet.

Birgid Uccia

I Love You, 2011
Low Battery, 2011
To Spring Up Like Mushrooms, 2011
06
Lutz / Guggisberg
Andres Lutz (1968) und Anders Guggisberg (1966) leben und arbeiten in Zürich. Seit 1996 treten sie als Künstlerpaar auf. Ihre Kunst wird treffend als "neo-alchemistische Ars combinatoria" bezeichnet. mehr... weniger

Damit wird nicht nur auf die verschiedenen Medien hingewiesen, die sie in raumgreifenden Installationen kombinieren. Bei ihrer Suche nach neuen Bildsprachen setzen die Künstler auch Materialien ein, die Gattungsgrenzen lustvoll sprengen.

Trödel und Fundstücke werden mit hintersinnigem Witz in Kunstwerke verwandelt. So türmen Lutz & Guggisberg alte Lampenschirme zu totemartigen Gebilden auf und erinnern so an die Enge des bürgerlichen Wohnzimmers. Ihre Malereien werden von Fabelwesen und Sonderlingen bevölkert. Das makabre und oft absurde Treiben, das in ihren Bildern stattfindet, geistert auch durch ihre Filme. Im Video "The Angry Coach", das 2002 anlässlich der Fussball-Weltmeisterschaft entstand, läuft einer der Künstler in einem menschenleeren Stadium auf das Spielfeld. Er gestikuliert wild und brüllt seine Anweisungen in eine unsichtbare Menge von Spielern. Er übersteigert die Körpersprache eines Trainers ins Absurde und parodiert so die Massenhysterie und Medienwirksamkeit von Fussballspielen.

In dem für das Schweizer Fernsehen entstandenen Kurzfilm "Gang ufe Würfu!" wird einer der Künstler erneut als Protagonist aktiv. Er jagt einen im Atelier gebastelten Spürhund durch eine bewaldete Gegend. Auf seiner Suche nach der begehrten Beute wird der Hund von hetzerischen Rufen angefeuert. Bei dieser angelangt, stellt sich die Beute jedoch nur als nüchterner, würfelförmiger Stromkasten heraus. Stromkästen, die unsichtbaren Begleiter unseres Alltags, sind allerorts in den Schweizer Wäldern versteckt. Als Energiezentren in Miniaturform machen sie es erst möglich, dass wir Bilder auf Fernsehschirmen empfangen und mit der Welt vernetzt sein können. Die frenetische und gleichzeitig humorvolle Jagd endet in einem Störbild und Rauschen, wie sie typisch für einen TV-Sendeunterbruch sind.

Birgid Uccia

Gang ufe Wuerfu, 2011
07
Gianni Motti
Gianni Motti (1958 in Sondrio) lebt und arbeitet in Genf. Einzelausstellungen im Mamco, Genf (2005), im Migros Museum, Zürich (2004) und an der Manifesta 4, Frankfurt (2002) haben seine Aktionskunst einem breiten Publikum bekannt gemacht. mehr... weniger

Gianni Motti erklärt subversives Verhalten zur Kunststrategie. Er stellt keine materiellen und verkäuflichen Kunstwerke her, sondern interveniert in bestehende Systeme. Dabei analysiert er die Strukturen von Macht, gesellschaftlichen Hierarchien, Medien- und Persönlichkeitskulten.

Seine Kunst wird treffend als "Reality Hacking" bezeichnet. So übernahm er in einem Bekennerschreiben an eine amerikanische Nachrichtenagentur die Verantwortung für das 1992 stattgefundene Erdbeben in Kalifornien. Anlässlich einer Uno-Konferenz über Menschenrechte 1997 marschierte er in den Plenarsaal, setzte sich auf einen freien Delegiertensitz und diskutierte eine Weile mit. Ähnlich ging er 1995 vor, als er in die Umkleidekabine einer Schweizer Fussballmannschaft spazierte, sich ein Spielerleibchen überzog und eine Weile unbemerkt auf dem Feld mitspielte.

Für das Schweizer Fernsehen hat Gianni Motti zwei Kurzfilme realisiert. In dem Film "Maradona" porträtiert er den ehemaligen Superstar aus ungewöhnlicher Sicht. Wie ein gefallener Engel liegt der "grösste Spieler aller Zeiten" schutzlos auf einem Bett und wird vom Künstler sanft an den Füssen massiert. Die Fussballikone vertraut seine ehemals "goldenen Beine" Gianni Motti an, der die Kunst ironisch zum Ort der Regeneration und letzten Zufluchtsstätte für Maradona erklärt. In seinem Film "Play Off" verwendet der Künstler gefundenes Archivmaterial. Prominente Politiker, die das Weltgeschehen lenken, posieren vergnügt bei sportlichen Handlungen. Auch hier kommt hintergründiger Witz zum Tragen. Gianni Motti durchleuchtet den Sport als publikumsfreundliche Plattform, die es den Politikern ermöglicht, mit der Bevölkerung auf direkte Weise in Kontakt zu treten und dadurch ihren Popularitätsgrad medienwirksam zu erhöhen.

Birgid Uccia

Maradona, 2011
Play Off, 2011
08
Shahryar Nashat
Shahryar Nashat (1975 in Teheran) lebt und arbeitet in Genf und Berlin. Seine Filme wurden bereits 2005 im Schweizer Pavillon und 2011 in der von Bice Curiger kuratierten Schau "Illuminazione" an der Biennale Venedig gezeigt. mehr... weniger

In seinem Werk untersucht der Künstler die Mechanismen des Entstehens und Wahrnehmens von Bildern. Er nimmt sich elementarer Fragen der Präsentation und Rezeption von Kunst im medialen und institutionellen Kontext an und rückt sie so in das Bewusstsein des Betrachters.

Für die beiden für das Schweizer Fernsehen entstandenen Kurzfilme unternahm Shahryar Nashat ausgedehnte Recherchen in den SRF Sende- und Regiestudios. Sein Interesse galt dabei den Aufnahme-, Schnitt und Nachbearbeitungstechniken, die vom Fernsehen zur Bilderzeugung eingesetzt werden. Im Rahmen einer medienreflexiven Analyse war der Künstler daran interessiert, anhand von Belichtung, Kameraeinstellung, Effekten, Soundtrack und Kolorierung den Aufbau eines Bildes offen zulegen.

Zentraler Fokus der beiden Kurzfilme ist die Erscheinung, Stimme und Körpersprache des Nachrichtenmoderators Mario Grossniklaus. Die kritischen Fragen nach der Präsentation und Rezeption von Bildern werden nun im Hinblick auf die Figur und Funktion des Moderators gestellt. Dabei tritt seine Persönlichkeit zugunsten allgemeinerer Fragen in den Hintergrund. Wie präsentiert und inszeniert sich ein Sprecher vor der Kamera, welche Techniken werden eingesetzt, um eine Beziehung zum Publikum herzustellen und seine Bedürfnisse und Erwartungen zu befriedigen?

Shahryar Nashat lässt den Moderator einen Text lesen, der wider Erwarten nicht von den Tagesgeschehnissen handelt, sondern von seiner eigenen Gestimmtheit, von Wahrhaftigkeit, Wunsch und Empathie. Gleichzeitig appelliert der Sprecher an das unbewusste Verlangen des Zuschauers, das sehen zu wollen, was normalerweise nicht im Bild ist: Den Rücken, die Beine, die Vergangenheit des Moderators. Im zweiten Kurzfilm präsentiert sich Mario Grossniklaus vor einem Wasserfall, der auf die nicht abreissende Informationsflut der Medien anspielt. Gleichzeitig übt der Wasserfall durch sein beruhigendes Rauschen eine kontemplative Wirkung auf den Zuschauer aus und versöhnt ihn mit der Reizüberflutung.

Birgid Uccia

o.T., 2011
o.T., 2011
09
Yves Netzhammer
Der Animations- und Multimediakünstler Yves Netzhammer ist seit der Teilnahme an der Biennale Venedig (2007) einem breiten internationalen Publikum ein Begriff. mehr... weniger

Er schafft in seinen Filmen, Installationen und Fotografien vollkommen digitale Bildwelten, die in ihrer Traumhaftigkeit stark an surreale Vorbilder erinnern.

In den Videos operiert Netzhammer mit Computer gerechneten repetitiven Filmsequenzen. Dabei entwickelt der Künstler die Bildfolgen mit einer Software, die eigentlich für Architekturzeichnungen entwickelt worden ist.

Die Oberflächen wirken darum glatt und künstlich. Netzhammers Geschichten kombinieren Angenehmes mit Unangenehmem, Totes mit Lebendigem, Tiere mit Menschen. Er lässt die Subjekte und Objekte ineinander fliessen oder von einem Aggregatszustand zum anderen übergehen. Trotz der vermeintlich digitalen Künstlichkeit der Bildwelten, lässt sich im Hintergrund der Narration ein metaphorischer, bisweilen tief philosophischer Subtext lesen. Yves Netzhammer lebt und arbeitet in Zürich.

Ausstellungen/Sammlungen (Auswahl):
  • Biennale, Venedig
  • Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen
  • Helmhaus, Zürich
  • Württembergischer Kunstverein, Stuttgart
  • Kunsthalle Bremen
  • Museum Rietberg, Zürich
  • Museum Ludwig, Köln
  • ZKM, Karlsruhe
  • Kunstmuseum Luzern
  • Nationalgalerie Prag
  • Kunstmuseum Wolfsburg

Für SF-Art-Clips hat Netzhammer das SF-Logo zum Protagonisten einer Serie von kurzen Clips gemacht, die auf witzige und humorvolle Weise, die Macht des Mediums persiflieren. Yves Netzhammer lebt und arbeitet in Zürich

Christoph Doswald

Bogen, 2011
Auto, 2011
Kopf, 2011
Landschaft, 2011
Leiter, 2011
Morsen, 2011
Raum, 2011
TV, 2011
10
Walter Pfeiffer
Walter Pfeiffer (1946) lebt und arbeitet in Zürich. Zunächst als Grafiker und Illustrator tätig erwarb er 1971 seine erste Polaroidkamera und genoss in Insiderkreisen bald den Status eines Kultfotografen. mehr... weniger

Er gilt heute als bedeutender Vorläufer einer jüngeren Generation von Fotografen und hat mit seinen Publikationen wesentlich zu der uns heute geläufigen Ästhetik des Foto- und Künstlerbuches beigetragen. Dennoch erfuhr sein umfangreiches Werk erst durch die Ausstellung im Swiss Institute New York (2007) und seine Retrospektive im Fotomuseum Winterthur (2008) breite internationale Anerkennung.

Walter Pfeiffers Schaffen wurde in hohem Masse von der Pop Art und der damit einhergehenden Stilrevolution geprägt. Auch seine Liebe für Hollywoodfilme und Glamour und der spielerische Einsatz von Elementen der Populär- und Subkultur haben in seinem Werk Niederschlag gefunden. Die Porträts, Landschaftsbilder und Stillleben von Walter Pfeiffer oszillieren zwischen Schnappschuss und Inszenierung. Dabei setzt er das fotografische Medium nicht als Mittel der dokumentarischen Abbildung ein, sondern als Instrument, Kunst, Alltag und Leben lustvoll miteinander zu verschmelzen.

Für das Schweizer Fernsehen hat Walter Pfeiffer 7 Kurzfilme realisiert, die an seine frühere Laufbahn als Regisseur und Filmer anschliessen. Als obsessiver Sammler von Bric-à-Brac, Kitsch und Tand konnte Walter Pfeiffer für diese Produktion aus einem reichen Materialfundus schöpfen. Kulissen und Requisiten tragen daher seine künstlerische Handschrift. Inspiriert von der schrillen Ästhetik der Unterhaltungsindustrie komponierte er Szenen, die den weiten Bogen von Stillleben zu Tableaux Vivants spannen. Das überbordende Dekor wird dabei geschickt in einen Kontrast zu der geometrischen Strenge von Farbfeldern gesetzt. Diese tauchen in verschiedenen Materialkonfigurationen auf und evozieren frühe TV-Testbilder, die an eine Zeit gemahnen, in der 24-Stunden Programme noch keine Selbstverständlichkeit waren.

Birgid Uccia

o.T., 2011
o.T., 2011
o.T., 2011
o.T., 2011
o.T., 2011
o.T., 2011
o.T., 2011
11
Pipilotti Rist
Mit ihrem postfeministischen Ansatz und einer schrillen Ästhetik hat die aus dem Rheintal stammende Künstlerin ab Anfang der 1990er Jahre eine Weltkarriere gestartet. mehr... weniger

"Videomenschmaschine", wie sie sich damals gerne nannte, entwickelte eine Videoästhetik, die vornehmlich auf Bildern basiert, die durch gezielte überlastung des Mediums entstehen. Und sie brachte einen neuen Begriff von selbstbewusster, lustvoller Weiblichkeit in die Kunstwelt: "I'M Not The Girl Who Misses Much" trällerte Pipilotti am Anfang ihrer Karriere, die sich heute, nach zahlreichen Ausstellungen ua. im Guggenheim Museum New York oder an der Biennale Venedig, wie ein Märchen liest.

Pipilotti Rist lebt und arbeitet in Zürich.

Ausstellungen/Sammlungen (Auswahl):
  • Boijmans van Beuningen, Rotterdam (NL)
  • MoMA Museum of Modern Art, New York
  • Marugame Museum of Contemporary Art, Kagawa (JP)
  • Hara Museum, Tokyo (JP)
  • Magasin 3 Stockholm Konsthall, Stockholm
  • Centre Georges Pompidou, Paris
  • MUSAC, León (E)
  • Biennale, Venedig
  • Center of Contemporary Art, Warschau

Für SF-Art-Clips hat Pipilotti einen jungen attraktiven Mann zum Striptease verführt, um damit die gängigen Rollenbilder in der Werbung zu hintertreiben. Pipilotti Rist lebt und arbeitet in Zürich.

Christoph Doswald

o.T., 2011
12
Shirana Shahbazi
Shirana Shahbazi (1974 in Teheran) lebt und arbeitet in Zürich. Ihr fotografisches Werk wurde 2002 mit dem bekannten Citigroup Privat Bank Photography Prize in London ausgezeichnet und in zahlreichen nationalen und internationalen Kunstinstitutionen gezeigt, u.a. auch 2003 an der Biennale Venedig. mehr... weniger

Bereits während ihrer Ausbildung an der Zürcher Hochschule für Gestaltung und Kunst war die Künstlerin daran interessiert, die Grenzen der Fotografie zu erweitern. So arbeitet sie mit Grafikern, iranischen Plakatmalern und Knüpfern zusammen, die nach ihren fotografischen Vorlagen Siebdruckposter, Wandbilder und Teppiche herstellen. Die Geschichte der Fotografie sieht Shirana Shahbazi eng an die Tradition der westlichen Malerei geknüpft, weshalb die klassischen Bildgattungen Porträt, Stillleben, Landschafts- und Historienbild auch für ihr fotografisches Werk bestimmend sind.

Für das Schweizer Fernsehen hat Shirana Shahbazi ihren ersten Film "Fluke" hergestellt, der die Grenzen der Fotografie erneut überschreitet. Nicht mit einer Film-, sondern mit einer Fotokamera hat sie für das 15-Sekunden-Format über 360 Aufnahmen gemacht, die weniger filmische Handlung als eine Collage von bewegten Bildern sind. In Anlehnung an die Präsentationstechnik von Nachrichtensendern, die den Zuschauer gleichzeitig mit mehreren Bildern zu ein- und demselben Thema konfrontieren, kombiniert die Künstlerin in einem Bild Frauenporträt und abstraktes Stillleben.

Was auf den ersten Blick zusammenhangslos wirkt, wird durch die subtile Bewegung der Frau und die sich verschiebenden Flächen des Stilllebens in einen animierenden Dialog gebracht. Dieser Dialog wirft in seiner vermeintlichen Beiläufigkeit fundamentale Fragen der Bilderherstellung und gesellschaftlichen Rolle der Medien auf. Dabei wird der Verlust der dokumentarischen Treue der Fotografie im Zeitalter der Digitalisierung genauso thematisch wie der kulturelle Status von Bildern als Projektionsräume und kollektive Gedächtnisstützen.

Birgid Uccia

Fluke, 2011
13
Roman Signer
Roman Signer (1938) lebt und arbeitet in St. Gallen. 1999 vertrat er die Schweiz an der Biennale in Venedig. Seine Werke lassen sich treffend mit dem Begriff "Zeitskulptur" charakterisieren. mehr... weniger

Der Künstler gestaltet Materialien, Substanzen und Gegenstände zu dreidimensionalen Skulpturen und erweitert diese um die vierte Dimension der Zeit. Dabei kommen Luft, Metall, Holz, Wasser, Sand, Tische, Ballone, Bauhelme etc. zum Einsatz, die durch das Moment der Bewegung in neue Zustände überführt werden.

Am bekanntesten sind die von Roman Signer gezündeten Explosionen. So werden beispielsweise vierbeinige Hocker durch eine Explosion aus dem Fenster eines Kurhauses geschleudert, worauf sie durch die Luft fliegen und krachend auf der Erde landen. Oder der Künstler wird selbst zum Protagonisten einer Zeitskulptur, indem er sich von einer an einer Schnur befestigten Rakete die Brille von der Nase reissen lässt. Mit skurrilem Witz untersucht Roman Signer die elementaren Prozesse der Eindämmung und Freisetzung von Energie. Dabei sind der Zufall oder andere nicht planbare Ereignisse von entscheidender Bedeutung. Gleichzeitig verweist er auf existentielle Fragen der Zeit, wie objektive Messbarkeit und subjektive Zeitwahrnehmung.

Auch in den beiden Kurzfilmen für das Schweizer Fernsehen führt Roman Signer die Zeitlichkeit seiner skulpturalen Experimente vor Augen. Im Film "Sandtreppe" schüttet er Sandkegel auf Treppenabsätzen auf. Dabei wird der Sand durch den Prozess des Schüttens in eine neue Form gebracht und in Beziehung zur statischen Präsenz der Treppe gesetzt. Im Film "Sandkegel" wird ein Kegel gesprengt, und es bleibt nur noch ein Krater übrig. Hier wird exemplarisch eines der künstlerischen Grundanliegen von Roman Signer deutlich. Durch die Sprengung wird der Kegel nicht zerstört, sondern nur in einen anderen Zustand verwandelt. Indem die konische Form quasi umgekehrt wird, wird auch der traditionelle Skulpturbegriff auf den Kopf gestellt. Selbst räumliche und zeitliche Prozesse der Veränderung von Materialien werden von Roman Signer als plastische Vorgänge begriffen.

Birgid Uccia

Sandkegel, 2011
Sandtreppe, 2011
14
Ingrid Wildi Merino
Die in Santiago de Chile geborene Auslandschweizerin Ingrid Wildi (1963) hat sich mit einem fulminanten Auftritt an der Biennale Venedig (2005) auf internationalem Parkett als Videokünstlerin durchgesetzt. mehr... weniger

Ihre Untersuchungen bewegen sich an gesellschaftlichen Randzonen, gehen von autobiografischen Erlebnissen der Immigranten- und Sans-Papiers-Schicksals aus und sind damit "cultural studies" im eigentlichen Sinn.

Wildis Videos befassen sich mit der Wahrnehmung von Wirklichkeit, mit dem teilweise gnadenlosen segregierenden, gesellschaftlichen Fokus, der in Betrachtungsritualen eingeschrieben ist.

Ingrid Wildi lebt und arbeitet in Biel und Genf, wo sie an der Kunstakademie einen Lehrstuhl für Videokunst besetzt.

Ausstellungen/Sammlungen (Auswahl):
  • Centre d'Art Contemporain, Genf
  • Biennale, Venedig
  • Kunsthalle Winterthur
  • Museo de Arte Contemporanea, Santiago de Chile
  • Kunsthaus, Aarau
  • Shedhalle, Zürich
  • FRAC PACA, Marseille
  • Kunsthaus, Zürich
  • Kunstverein, Frankfurt
  • Kunsthaus, Glarus

Für SRF kunstpause hat Ingrid Wildi ihre künstlerischen Recherchen auf gesichtslose Schweizer Agglo-Vorstädte appliziert und Orte von seltsamer Schönheit im Bild festgehalten. Ingrid Wildi lebt und arbeitet in Biel und Genf, wo sie an der Kunstakademie einen Lehrstuhl für Videokunst besetzt.

Christoph Doswald

Dislocacion, 2010
Dislocacion, 2010
Dislocacion, 2010
Dislocacion, 2010
Dislocacion, 2010
Dislocacion, 2010
Dislocacion, 2010
Dislocacion, 2010
Dislocacion, 2010
Dislocacion, 2010